Informationen zur Segnung von Paaren in eingetragenen Lebenspartnerschaften

Segnung von Paaren in eingetragenen Lebenspartnerschaften Im Herbst 2011 hat die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck beschlossen: „Paare, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, können öffentlich in einem Gottesdienst gesegnet werden. …“ Unser Kirchenvorstand hat auf seiner Rüstzeit intensiv über diesen Beschluss beraten und Argumente für und gegen eine solche Segnung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gehört und diskutiert. Einige befürwortende Argumente möchten wir hier im Gemeindebrief veröffentlichen und damit den Beschluss des Kirchenvorstandes begründen, dass ab sofort auch in unseren Kirchen in Berndorf, Helmscheid und Mühlhausen die Segnung von Paaren in eingetragenen Lebenspartnerschaften durch Pfrin. Lehmann möglich sein kann.

Diese Segnung ist ein Thema, das Sexualität und Formen des Zusammenlebens, Tradition und Glaube neu ins Gespräch von Kirche und Gemeinde bringt, durchaus ein sensibles und umstrittenes Thema. Das ist uns bewusst. Das je eigene Empfinden, persönliche Begegnungen, eigene Lebenswege und das Verstehen von biblischen Überlieferungen spielen eine große Rolle.

Segen und Segnung – was bedeutet das? Im segnenden Handeln der Kirche berührt und befreit Gottes Gnade und Nähe einen jeden Menschen an seinem individuellen Ort des Lebens. Und nach Martin Luther verstehen wir uns als sündige Menschen, alle in gleicher Weise. Spricht der Pfarrer, die Pfarrerin den Segen aus, ist damit nicht ein „Absegnen“ gemeint: Mit dem Segen wird nicht Recht gesprochen oder etwas aus menschlicher Sicht für richtig empfunden. Sondern im Segen ist Gottes Nähe und Kraft, Ermutigung und Neuanfang aus seiner Vergebung uns verheißen. Dieser Segen erfolgt am Ende eines jeden Gottesdienstes, in der Taufe und im Abendmahl. Und so auch an Übergängen des Lebens, die so verschieden sind, wie wir Menschen es sind. Die Entscheidung von Menschen, eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen, wird als Zeugnis gewertet für die Bereitschaft, im Zusammenleben ethische Verantwortung zu übernehmen im Sinne von Dauerhaftigkeit, Verlässlichkeit und lebenslanger personaler Bezogenheit. Dementsprechend sieht man das weit überwiegend gelebte und hochgeschätzte Leitbild von Ehe und Familie in Kirche und Gesellschaft nicht beeinträchtigt dadurch, dass Personen, die ihre Sexualität anders leben, analoge Beziehungsmuster in Verlässlichkeit, Vertrauen und Dauerhaftigkeit anstreben und diese nicht nur rechtlich sondern auch religiös einbinden wollen.

Was sagt die Bibel? In der Tat gibt es keine Stelle der Bibel, die eine positive Aussage zur Homosexualität trifft. Erst beim genauen Hinsehen differenziert sich die Lage. In wesentlichen Teilen der Heiligen Schrift, wie den Zehn Geboten und den Evangelien, ist von Homosexualität überhaupt keine Rede. Die einzelnen, negativen Stellen im Alten Testament sind in hohem Masse vom kulturellen und sozialen Kontext ihrer Zeit und Welt abhängig. So geht es zum Beispiel Genesis 19 und Richter 19 viel mehr um die Verurteilung der Verletzung des Gastrechts sowie von Inzest und sexueller Gewalt. Römer 1, die wichtigste Stelle im Neuen Testament, will vor allem den sündigen, begehrlichen Selbstbezug des Menschen deutlich machen und fasst zusammen: „Alle haben gesündigt“. Jede Liebe bedarf der Erlösung und der verantwortlichen ethischen Gestaltung. Das reformatorische Prinzip „allein die Schrift“, bedeutet nicht, dass einzelne Stellen über das Zeugnis von Jesus Christus als Mitte der Schrift gestellt werden dürfen.

In einer gleichgeschlechtlichen Beziehung kann das biblische, schöpfungstheologische Wort „Seid fruchtbar und mehret euch“ neu verstanden werden: Ähnlich wie in Ehen, die ungewollt kinderlos bleiben und in denen sich Ehepartner in ihrem Engagement für andere dennoch als fruchtbar empfinden und das Leben im Miteinander mehren.

Wie geschieht eine Segnung? Mehrere Elemente der neuen Regelung entsprechen der kirchlichen Praxis, besonders der Trauung. Gleichwohl gibt es Unterschiede: Rechtliche Bedingung ist die eingetragene Lebenspartnerschaft und nicht eine Eheschließung. Die Handlung selbst ist als Segnung zu bezeichnen und nicht als Trauung. Und schließlich werden im Gottesdienst Texte und Formulierungen gesprochen, die der unterschiedlichen Situation gerecht werden: Man wird anders als bei der Trauung nicht das Ehepaar begrüßen sondern Partnerinnen oder Partner. Man wird um Gottes Segen für die Partnerschaft bitten und nicht für die Ehe. Andererseits werden die drei nach reformatorischem Verständnis für eine Trauung konstitutiven Elemente auch hier unverzichtbar sein: Gottes Wort, Gebet und Segen. angelehnt an einen Vortrag von Probst Helmut Wöllenstein (Marbug) aus dem Jahr 2011